SÜDDEUTSCHE ZEITUNG

Mutlimediainstallation | St.Michael - München | 2006

ABENDZEITUNG

MÜNCHNER MERKUR

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Das apokalyptische Weib - Ein faszinierendes Lichtspiel

„Das Apokalyptische Weib“ der Moderne
eine Lichtinstallation von Michael Pendry

Der Kirchenraum der Münchner Michaelskirche verwandelt sich in animierten Wolkenraum

       
München, XX – 2006. Vom 20. bis 29.10.2006 von jeweils 19.30 Uhr bis 24.00 Uhr wird per Videobeamer ein 20 auf 50 Meter großes Himmelszelt in Echtzeit an das Kirchengewölbe der Jesuitenkirche in der Neuhauser Straße projiziert. Die Veranstaltung ist gleichzeitig Programmpunkt der berühmten „langen Nacht der Museen“ am 21.10.2006. Mit der Darstellung des Himmels, wird der Gedanke der Klassik aufgegriffen, durch den gebauten Raum mit seinen in die Höhe ragenden Säulen und Kreuzgewölben gen Himmel zu streben. Die Kirchenräume weichen einer animierten Realität aus Wolkenformationen und mystischen Schatten. Dabei scheint das zuvor statische Raumgefüge lebendig zu werden, die Grenzen zwischen innen und außen zu verschmelzen. Aber nicht nur das Visuelle ruft Faszination hervor. Die hochtalentierten  Komponisten Daniel Regenberg und Jerker Kluge begeistern durch interagierende, musikalische Intervalle, die die Eindrücke des Betrachters unterstützen und intensivieren. Durch die einmalige Mischung aus audio-visuellen Reizen wird der Kirchenbesuch zu einem immersiven Erlebnis.
 

 
Gemälde von Peter-Paul Rubens als Grundlage der Lichtinstallati-on
Als Grundlage der Lichtinstallation „Das Apokalyptische Weib“ liegt das gleichnamige Gemälde des berühmten barocken Künstlers Peter-Paul Rubens zu Grunde. Das 1625 entstandene Gemälde illustriert das „Apokalyptische Weib“, anlehnend an die Offenbarung des Johannes, 12, 1-12, mit ihrem Sohn im Arm und Erzengel Michael mit seiner En-gelschar im Kampf gegen den Drachen. Seit diesem Kunstwerk wird „Das Apokalyptische Weib“ mit Maria, der Drache mit dem Teufel asso-ziiert. In keinem anderen Bild Rubens wird dessen Bestreben, Religiosität durch Dynamik der Darstellung zu reanimieren, so deutlich. Seine Werke bilden ein Fortissimo an Licht- und Farbkontrasten. Durch heutige Medientechnik ist es dem Künstler Michael Pendry gelungen, dieses in eine animierte Realität umzusetzen.


Der Betrachter taucht ein in eine hermetisch abgeschlossene Welt voller Ruhe, Friede und räumlicher Weite. Der Raum ist in blaues Licht gehüllt. Vogelgezwitscher und Grillengezirpe unterstreichen diese Idylle. Doch schon bald weicht das blaue Licht einem Stakkato aufzuckender, greller Blitze. Der Raum verdunkelt sich und färbt sich rot, ein Feuerball erscheint an der Kirchenwand – die Apokalypse? Es ertönen Schreie und Donnergewirr, die Silhouette einer Frau ist als Schatten an der Kirchenwand zu sehen. Ist es ein Unwetter oder ein tatsächlicher Kampf, der am Himmel entfacht? Diese Frage lässt der Künstler absichtlich offen und bietet gleichzeitig genügend Interpretati-onsspielraum, um die Fantasie des Betrachters anzuregen.  
 

„Der Kampf, das Unwetter werden im Laufe des Abends immer wieder von neuem entfacht“, so Pendry, „es gibt keinen endgültigen Sieg über das Böse.“ Weiterhin erläutert der Künstler den Ursprung seiner Idee: „Was mich an der biblischen Geschichte faszinierte, war vor allem der plötzliche Umbruch dieser friedlichen Stimmung in die düster, beängsti-gende, denn das ist ja im Leben mit all seinen Hochs und Tiefs auch nicht anders. Diese antithetische Weltanschauung, die im Barock vor-herrschte, ist zeitlos. Auch heute noch sind Menschen zerrissen zwischen Ewigkeit und Vergänglichkeit, zwischen Neuanfang und Zerstörung, Lebenslust und Todesbewusstsein, Gut und Böse, Licht und Finsternis.“

„Das apokalyptische Weib“ ist eine Mischung von Licht- und Geräusch-effekten, die den Besucher aus seiner Rolle des passiven Zuschauers herausreißt und in eine interaktive Erlebniswelt versetzt, in der er sich neu mit dem Glauben, aber vielleicht auch mit dem Leben selbst ausei-nander setzen muss.


ORT: Kirche St. Michael , Neuhauser Straße 6, 80333 München

DAUER: 20. – 29.10.2006

ÖFFNUNGSZEITEN: 19.30 bis 24.00 Uhr

ORGANISATION: Eva Ziemen

TECHNISCHE LEITUNG: Falk Hampel

ANIMATION: Ingolf Heinsch

MUSIK: Daniel Regenberg und Jerker Kluge